kath. Pfarrei und Kirchgemeinde Abtwil-St.Josefen
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„Ein Jahr der Barmherzigkeit“ Was bleibt?

Eigentlich hätte Andreas Barth diesen letzten Artikel zu der von ihm initiierten Reihe geschrieben, doch nun liegt es am Teamleiter, einen Schlusspunkt zu setzen. Am 13.November wurden in Rom und vielen anderen Orten die „heiligen Pforten“ wieder geschlossen. Zudem endete mit dem Christkönigssonntag am 20.November auch das „Lukas-Lesejahr“ C in der Ordnung der Sonntagsgottesdienste. Eine gute Gelegenheit, nochmals zurück zu blicken.

 

Wie in etlichen Predigten dieses Jahres immer wieder ausgeführt, ist keines der Evangelien so ideal geeignet, uns den biblisch-jesuanischen Grundgedanken von der grossen Barmherzigkeit Gottes so zu verdeutlichen, wie dasjenige von Lukas. Quer durch das Evangelium zieht sich als gleichbleibender Grundgedanke die Aussage, dass der Gott, den Jesus verkündete und den er „Abba“, Vater, nennt, ein Gott ist, der sich einerseits der Schwachen und Bedrängten erbarmt, und der andrerseits von denen, die an ihn glauben, Werke, ja „Opfer“ der Barmherzigkeit erwartet.

 

Beginnend mit der Tatsache, dass Jesus im Lukas-Evangelium als Kind kleiner Leute mitten auf dem Feld geboren wird, und dass seine Geburt zuerst den Hirten als Angehörigen einer ebenfalls unbedeutenden gesellschaftlichen Gruppe verkündet wird (Lk 2), fortgeführt in den Seligpreisungen, die bei Lukas noch radikaler als bei Matthäus formuliert sind („Selig die Armen“, nicht „Selig die geistlich Armen“, Lk 6), akzentuierte sich der Gedanke gegen Ende des Lesejahres insbesondere in folgenden vier Sonntags-Evangelien:

 

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37; 15.Sonntag im Jahreskreis): Genau der Angehörige der verachteten religiösen Minderheit erfüllt den Willen Gottes, während die Kultpriester in strikter Einhaltung der Reinheitsvorschriften daran scheitern – eine Mahnung für alle, die Recht und Kirchenrecht zitieren!

 

Im Doppelgleichnis vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Sohn (Lk 15,1-7.11-32; 24.Sonntag im Jahreskreis): Vor Gott gibt es kein Versagen, dass so schrecklich wäre, als dass er nicht immer wieder Erbarmen zeigen würde, ja umgekehrt geht er sogar denen nach, die sich im Leben verstiegen haben – eine Mahnung, nie jemanden abzuurteilen.

 

Im Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner (Lk 18,9-14; 30.Sonntag im Jahreskreis): Das Gleichnis vom Samariter wird nun an einem verachteten Kleinkriminellen verdeutlicht, der Gnade vor Gott findet, während der eifrig praktizierende und Almosen spendende Fromme sich nicht „gerecht“ nennen darf – der zentrale Text überhaupt und ein Dorn im Fleisch der Kirche und aller christlichen Gemeinschaften.

 

In der herrlichen Erzählung vom kleinen Zöllner Zachäus (Lk 19,1-10; 31.Sonntag im Jahreskreis): All diese Menschen – der verlorene Sohn, der Samariter auf dem Weg nach Jericho, der Zöllner hinter im Tempel – bekommen nun einen Namen, sie sind Zachäus, bei ihnen kehrt Gott ein, und die geforderte Umkehr erfolgt erst nach der Begegnung mit ihm.

 

Wenn Paulus in seinen wichtigsten Texten davon spricht, dass der Mensch, jede/r von uns, „allein aus Glaube“ und nicht „aufgrund von Werken“ gerecht gemacht ist, dann verdeutlicht Lukas das in diesen handfesten Bildern. So gesehen war das Thema der Barmherzigkeit für dieses ausserordentliche Heilige Jahr geradezu überfällig, und ist zu hoffen, dass es Frucht bringt gerade in unserer Kirche, immer dann, wenn wir neu in Versuchung sind, irgendjemanden von Gottes Liebe und Güte auszuschliessen!

 

Heinz Angehrn

 


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