kath. Pfarrei und Kirchgemeinde Abtwil-St.Josefen
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Ein Jahr der Barmherzigkeit

Wenn es paradigmatische neutestamentliche Texte zum Thema des ausserordentlichen Jahres der Barmherzigkeit, in dem wir stehen, gibt, dann sind es sicherlich die beiden Gleichnisse Jesu vom barmherzigen Samariter und vom verlorenen Sohn. Es wird sich zeigen, dass die beiden Gleichnisse den Gedanken der Barmherzigkeit des biblisch-christlichen Schöpfergottes in doppeltem Sinn umfassen und dementsprechend umfassend erschliessen.

 

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, zu dem ja das Logo des ausserordentlichen Jahres passt, das hier im Februar von Vikar Innocent erläutert wurde, handelt von der Grundhaltung Gottes und damit in der Jesus-Nachfolge eines jeden gläubigen Christen gegenüber Menschen, die aus irgendwelchen Gründen unverschuldet an den Wegrändern des Lebens liegen und unserer Hilfe bedürfen. Es kann sich dabei um physische oder psychische Krankheit, um Unfälle oder Unglücksfälle anderer Art handeln, die eine Person innert kurzer Zeit vom selbstsicheren seinen eigenen Weg gehenden Menschen zum Hilfsbedürftigen machen. Einem solchen Menschen wendet sich der Samariter zu, und so sollen auch wir handeln.

 

Im allgemein moralisch-ethischen Verständnis ist dies auch üblich und sicher für viele der richtige Umgang. Anders aber sieht es für uns bei moralischem Versagen, bei schuldhaftem Fehlverhalten aus, das einen Menschen nicht schicksalhaft, sondern in eigener Verantwortung an den Rand des Lebens drängt. Für ein solches Verhalten steht beispielhaft der jüngere Sohn im Gleichnis Jesu: Er hat seinem Vater das Erbe vorzeitig abgetrotzt und den Familienbesitz durch einen üblen Lebenswandel verprasst. Stellen wir uns nur vor, das wäre unser Bruder, unsere Schwester gewesen! Wir würden ihm/ihr das Elend von Herzen gönnen.

 

Die unendlich grosse Barmherzigkeit Gottes den Menschen gegenüber zeigt sich nun im Gleichnis gerade an einem solchen Beispiel: Der barmherzige Vater läuft dem verlorenen Sohn entgegen, umarmt ihn und setzt ihn wieder in seine Rechte ein. Dies übersteigt das Menschen-Mögliche und menschlich zu Erwartende bei weitem, das könnten nur wenige von uns leisten.

 

Exemplarisch dargelegt kann dies nun noch am Beispiel des Buss-Sakramentes werden: Kein Beichtvater darf einem Menschen, der seine Schuld bereut und um Vergebung bitten, die Vergebung Gottes verweigern. Nicht einmal im schrecklichsten Fall eines Vergehens/Verbrechens, dem des Massenmordes im Holocaust. Dem Lagerkommandanten in Ausschwitz, Rudolf Höss, etwa wurde Gottes Vergebung zugesprochen, auch wenn er danach vom Staat hingerichtet wurde.

 

In eine ähnliche Richtung weist eine ganz aktuelle Aussage von Papst Franziskus, der gefragt wurde, was ein Beichtvater denn tun solle, wenn der/die Beichtende stumm bleibe. Überraschend und im Widerspruch zur Tradition sagte er dazu, dass angenommen werden dürfe, dass der schweigend Beichtende bereue und deshalb die Lossprechung erhalten dürfe.

 

„Seid barmherzig, wie es Euer Vater im Himmel ist!“

 

Predigt am 05./06.03. von Heinz Angehrn


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